Fahrschule & Pädagogik

Lernen heißt sich verändern. Auch lernen Auto zu fahren. Als Psychologe Veränderungsprozesse zu begleiten ist eine spannende Angelegenheit. Menschen besitzen Potentiale und sind wandlungsfähig. Sie entwickeln sich durch geeignete Herausforderungen. Mit dieser positiven Sichtweise ist jedoch auch die Möglichkeit der Überforderung gegeben. Veränderungsprozesse sind nicht einfach, sie können darüber hinaus den Menschen verängstigen. Erst nach Erreichen der gewünschten Veränderung stellt sich ein positives Gefühl der Selbstsicherheit ein. Wissen und Können müssen aber nicht zwangsläufig dazu führen, dass man sich kompetent fühlt.

Damit der Veränderungsprozess auch zu einem erfolgreichen Abschluss führt, im konkreten Falle Sie alleine und mit dem nötigen Selbstvertrauen Auto fahren, werden Lern-/Veränderungsprozesse geplant und begleitet. Im Austausch mit einem Fahrlehrer, Coach oder Experten entstehen Informationen die zu Vertrauen, Kompetenzen und schließlich zu Selbstvertrauen führen.

Lernen heißt sich Wissen anzueignen

Wenn Sie sich Wissen aneignen, also z.B. die Vorfahrtsregeln lernen, bedeutet das zunächst einmal, dass sich in Ihrem Gehirn mehr „Informationen“ befinden, da sich neue neuronale Verknüpfungen bilden. Jetzt verfügen Sie über das Wissen (der Vorfahrtsregeln). Ist es nicht schön, über Etwas verfügen zu können? Sie können, nein, Sie müssen es nun anwenden.

Lernen führt zu Veränderungen auf der Ebene des sichtbaren Verhaltens

Ihr Verhalten muss Ihr Wissen in den betreffenden Situationen (Kreuzungen, Einmündungen, Engstellen) widerspiegeln. Das ist der Entwicklungsschritt, der Ihnen nun abverlangt wird. Sie kommen durch Wissen sozusagen in Zugzwang. Das kann man als Belastung, als Zumutung empfinden. Auf jeden Fall ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, die bei vielen Fahranfängern Stress erzeugt – weite Aufmerksamkeit, Blickführung, fokussierte Konzentration, Einschätzungen von Verkehrssituationen, Entscheidungen und die Koordination von Körperbewegungen bei der Umsetzung des Verhaltens müssen geübt werden. Eine kaum zu vermeidende Konsequenz von Stress: die Wahrscheinlichkeit, dass Fehlentscheidungen auftreten oder dass es zu einer Fehlbedienung des Fahrzeugs kommt, nimmt zu.

Was Lernen darüber hinaus noch alles verändert

Sie sind nicht alleine auf der Straße und auch (zum Glück) nicht  alleine im Fahrschulauto. Willkommen auf der Systemebene! Stellen Sie sich vor Sie würden alleine, mit Ihrem eigenen Auto auf einem Verkehrsübungsplatz üben. Die Kosten hierfür würden Sie mit Ihrem eigenen Geld bezahlen und es wäre auch Niemand da, der Sie beobachten könnte. Ihre Fahrfehler würden niemandem auffallen, kein Mensch würde Sie nach Ihrem Können beurteilen, Ihr Selbstbild würde keinen Schaden erleiden, auch könnten keine anderen Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen oder sich über Ihr Verhalten beschweren. Sie würden sich erst wieder auf die „Systembühne“ wagen, wenn Sie wirklich Autofahren können. Auch könnten Sie die Auseinandersetzung mit Ihren Mitfahrern (Fahrlehrer, Ehepartner, Eltern) vermeiden wenn es darum geht, wer die Deutungshoheit hat, wer also bestimmt, was richtig und was falsch ist, wieviele Fehler „normal“ sind, welche Geschwindigkeit angemessen und welche Lücke zum Abbiegen ausreichend groß und was ein guter Fahrstil ist, etc. Von dem Stress der von der Zeit- und Kostenfrage des Führerscheins ausgeht ganz zu schweigen. Was ich damit verdeutlichen möchte ist folgender Sachverhalt: die Entscheidung den Führerschein zu machen führt dazu, dass Sie sich mit anderen Personen (noch mehr als bisher) auseinandersetzen müssen, dass Sie Position beziehen, Ihre Ansicht offenlegen, Ihre Entscheidung, Ihre persönlichen Interessen und Grenzen usw. verteidigen und Bedingungen (neu) aushandeln müssen – im Fahrschulwagen, als Verkehrsteilnehmer, genauso wie in Ihrem privaten Umfeld. Das Wissen über die Gefahren beim Autofahren, über die Umweltbelastung beim Individualverkehr fordert Sie also heraus Verantwortung zu übernehmen und damit geht es auch um die Weiterentwicklung von Werten, Einstellungen und Moral. Jetzt reicht es aber!

Was die Erfahrung zeigt – Best Practice für schwierige Lernsituation, Fahr- und Prüfungsangst

-kleine Veränderungen in einer Lernsituation können einen großen Unterschied bewirken.
-die Devise: „mehr von dem Selben“ ist bei dem Wunsch ein Ziel zu erreichen ab einem bestimmten Zeitpunkt wenig hilfreich.
-um eine Lösung zu finden kann es nützlich sein, wenn ich das genaue Problem kenne. Oft glauben wir aber nur das Problem/ bzw. die Diagnose zu kennen. Eine erfolgversprechende Strategie kann auch sein, das Problem außer Acht zu lassen und sich vielmehr der Lösung oder zumindest einem Zustand von „Normalität“ zuzuwenden.
-das „Subjektive“ sollte man nicht unterschätzen. Ob sich eine Person beim Autofahren sicher fühlt erscheint eine zutiefst subjektive Frage zu sein. Für denjenigen, der hinter dem Steuer sitzt, sind seine Gefühle, seine subjektiven Körperempfindungen und Gedanken aber etwas äußerst Reales, sind seine „objektive“ Wirklichkeit.

Ihre Fragen und Anregungen sind erwünscht!